Die Wanderwoche im Vinschgau kann beginnen!
Bereits am ersten richtigen Tag steht heute eine spannende Tour an. Ausgangspunkt ist der Parkplatz vor dem Haslhof in Göflan (Nördersberg). Es geht erst einmal den Weg Nr. 1 hinauf, einen Waldweg entlang und gleich relativ steil bergan.
So geht es eine ganze Weile, bis ich auf eine Lichtung stoße und sich mir ein schöner Blick hinab ins Tal nach Göflan und Schlanders bietet. Zur anderen Seite hinab kann ich das Martelltal erkennen, das für seine Erdbeeren bekannt ist.
Ein Schild verrät mir, dass ich bereits am Kreuzjöchl angekommen bin. Na, das ging ja schneller als erwartet!
Weiter geht es jetzt auf dem Marteller Höhenweg (Nr. 23) zur Göflaner Scharte auf 2.396m. Bald wandere ich oberhalb der Baumgrenze entlang und ich kann die warme Sommersonne genießen.
Ich finde es sehr entspannend, einige Zeit für mich zu sein, nur den eigenen Atem und die zahlreichen Vögel zwitschern zu hören und meinen Gedanken nachzuhängen. Der Weg führt am Berg entlang, nichts Gefährliches, eher etwas zum Genießen mit wundervoller Aussicht. Die Sonne scheint kräftig, obwohl es gerade einmal 10 Uhr ist. Am Gipfelkreuz mache ich kurz Rast, atme durch und genieße meinen ersten richtigen 360-Grad-Panoramablick über den Vinschgau. Jetzt bin ich richtig angekommen in dieser Wanderwoche. Ich treffe nach mehr als zwei Stunden dann auch eine kleine Gruppe Wanderer. Der erste menschliche Kontakt heute am Berg! Man ist hier fast so einsam wie in Norwegen. Nachdem ich den vorerst höchsten Punkt überwunden habe, geht es leicht bergab bis an eine Wegkreuzung. Da ist sie, die Göflaner Scharte.
Ich habe heute Morgen nicht richtig auf die Karte geschaut und so geht es jetzt entgegen meiner Erwartung den Weg 3A hinab über Geröll. Es ist schon ein spannender Abstieg über die teilweise lockeren und kippelnden Steine und ich weiß, dass erst am Göflaner See der höchste Punkt meiner Wanderung erreicht sein wird. Alles, was ich jetzt an Höhenmetern verliere, muss ich später wieder hoch. Aber dafür bin ich ja hergekommen. Ich erreiche wieder Wald und kann mich entscheiden auch direkt zur Göflaner Alm zu gehen. Will ich aber nicht.
Die Kuh als erstes kleines Abenteuer
Also geht es ein Stück des Marmorwegs entlang am Marmorbruch vorbei. Es ist Sonntag, daher treffe ich heute keine Arbeiter, dafür aber Pferde und Kühe mitten auf dem Weg. Die ersten größeren Tiere, die ich auf meiner Tour heute treffe. Die Pferde schauen mich neugierig an, werden aber gerade vom Besitzer gefüttert, womit ich wiederum schnell uninteressant bin.
Bei den Kühen auf der Weide ist es da schon anders. Ich muss definitiv durch die Herde, die recht friedlich grast. Dennoch habe ich vollsten Respekt vor diesen Tieren. Ich traue mich nicht sie zu fotografieren, obwohl sie vor der Jennwand, die sich im Hintergrund Richtung Himmel streckt, ein tolles Motiv geben würden. Stattdessen überlege ich panisch, ob ich schon einmal etwas darüber gelesen habe, wie man sich bei einer Begegnung mit einer Kuh verhalten soll. Soll man ihnen direkt in die Augen schauen oder provoziert sie das nur?? Sollte man vermeiden, zu nah heranzutreten? Darf man sich von hinten nähern oder erschreckt sie das?
Ich entscheide mich für die Vermeidungsstrategie: ich vermeide direkten Blickkontakt und das ungewollte Anschleichen von hinten an die Kuh, tue so, als ob alles völlig normal ist, laufe langsam vorbei und atme durch. Die Viecher sind riesig! Ein bisschen peinlich ist es mir schon. Immerhin komme ich vom Dorf und war stets der Meinung, dass mich zumindest die westeuropäische Flora und Fauna nicht so schnell ängstigen kann. Aber gut, jetzt ist es ja überstanden und nun wird es erst richtig spannend.
Auf zum See
Einen Weg im herkömmlichen Sinne gibt es nicht mehr, über Geröll geht es zwischen Jennwand und Hörnele hinauf, ein Teil ist extrem steil, ausgesetzt und Gott sei Dank seilversichert.
Ich höre das Pfeifen der Murmeltiere. Ich kämpfe mich hoch, frage mich schon wie ich wieder runterkommen soll und treffe oberhalb der Seile ein italienisches Pärchen. „Du musst nur noch hier hoch und in ca. 25 Minuten bist du am See“. Kann ich nicht recht glauben, ich sehe nämlich außer Geröll nichts. Ich gehe weiter, ständig in Hab acht Stellung wegen etwaiger Spalten und lockerer Steine. Konzentriert bei jedem Schritt kämpfe ich mich durch die Geröllwüste und dann – endlich!!! Da ist er: der Göflaner See. Blaugrün schimmert er in der Sonne, nur zwei Wanderpärchen sitzen am Ufer und eine Herde Ziegen fühlt sich wohl gestört von unserem Besuch und meckert was das Zeug hält. Der Ort ist wunderbar, um die Stille und die Schönheit der Natur aufzunehmen und sich bewusst zu werden, wie einzigartig die Welt ist.
Ich genieße die Zeit, mache Fotos, knabbere an meinem Knäckebrot und mache mich dann auf den Rückweg. Der liegt mir wie immer etwas weniger als der Aufstieg. Deswegen geht es schön langsam bergab, im Zweifel rückwärts und bin froh, dass ich die seilversicherte Stelle besser meistere als ich gedacht hätte. Nach dem Geröll geht es noch einmal an den Kühen vorbei, danach ist das Aufregendste geschafft.
Kleine Erfrischung auf der Göflaner Alm
Zur Göflaner Alm wandere ich dann entspannt den Themenweg Marmor entlang bergab, die Baumgrenze rückt schnell wieder näher und ich erreiche endlich die Alm.
Das passt prima, ich habe nämlich großen Durst. Auf der Alm gibt’s eine große Holunderschorle und – wie passend – Marmorkuchen.
Ein Ortskundiger erzählt ungefragt vom Marmorabbau – interessant ist es dennoch. In der Ferne sehe ich allerdings die Blitze eines Wärmegewitters, der Donner grollt noch recht leise. Für mich ist es ein Wink mit dem Zaunpfahl, jetzt lieber aufzubrechen. Ich bezahle schnell, damit ich trocken ins Tal komme. Ungefähr eine Dreiviertelstunde dauert die letzte Etappe und führt mich überwiegend über weichen Waldboden, der von Nadeln und Wurzeln gesäumt ist. Ich gehe relativ zügig, der Weg ist relativ flach und schont die Knie, einmal muss ich rechts auf eine schöne Alm abbiegen, die wiederum mit ein paar mit Kühen ausgestattet ist. Die lassen sich von mir aber nicht stören. Ich schaffe es trocken, durchgeschwitzt und erschöpft ans Auto. Das war ein toller Auftakt! Zur Belohnung gibt es am Abend eine leckere Pizza im Restaurant Maria Theresia. Auf dem Rückweg vom Restaurant erwischt mich dann doch das Gewitter. Es schüttet wie aus Eimern und ich werde pitschenass. Naja, besser hier in Schlanders als oben am Berg.